Redemanuskript Thomas M. Reimann 
18. November 2020
 VhU-Vizepräsident und Vorstandsvorsitzender der ALEA AG
Thomas M. Reimann nimmt im Rahmen der Virtuellen Pressekonferenz
der IHK Gießen-Friedberg Stellung zur aktuellen Situation
in der Bau- und Immobilienwirtschaft,
sowie zur Diskussion um die Günthersburghöfe
  

Corona Zeiten sind für viele Unternehmen in der Region schwierige Zeiten. Als Vizepräsident der VhU (Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V.) verfolge ich die Entwicklung sehr aufmerksam bei Architekten, Ingenieuren und Bauunternehmen in der Metropolregion. Nach März 2020 steht die Branche nun wieder vor großen Herausforderungen, der 2. Lockdown, als Version „light“ umschrieben, ist angeordnet. Schon den 1. Lockdown haben die Unternehmen der Bauwirtschaft mit Bravour gemeistert.  Die Branche ist erfolgreich. Es war gut, dass wir mit klugen und umsichtigen Entscheidungen schon im März mit der besonderen Herausforderung umgegangen sind, denn wir bleiben auch zu Zeiten des 2. Lockdown liefer- und leistungsfähig. Wir sorgen für Beschäftigung und einen wesentlichen Beitrag zum BIP. Wir sind eine dieser Stützen der deutschen Volkswirtschaft.In Hessen erleben wir, wie teilweise in Rekordzeit Bauvorhaben entstehen, wenngleich ich mit einem Bedauern wahrnehmen muss, dass Genehmigungswege und die damit verbundenen Zeiten immer länger werden. Ich würde mir wünschen, dass die Verfahren zügiger zur Umsetzung gelangen, um die Dynamik der Branche nicht unnötig zu gefährden.In diesen Zeiten braucht man gerade jetzt eine Perspektive und nachhaltig vollziehbare Entscheidungen. Man kann gemeinsam mit Zuversicht auch weiterhin erfolgreich tätig sein kann. Es geht auch in Coronazeiten letztendlich für die Betriebe um einen nachhaltigen Fortbestand, um die Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.Lassen Sie mich die Gelegenheit bitte nutzen, um kurz auf die Immobilienwirtschaft einzugehen. Von leerstehenden Spekulationsobjekten und gierigen Investoren darf man lesen, die teuer bauen und Menschen vertreiben.Sicher unstrittig ist, dass der Markt durch Angebot und Nachfrage maßgeblich bestimmt wird und der Zuzug in die Metropolregion ungebrochen anhält. Gestiegene Materialkosten und Lohnsteigerungen führen damit auch zwangsläufig zu höheren Kosten beim Wohnungsbau. Wir haben bereits einen erheblichen Mangel an Wohnungen und Bauflächen in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet.Doch Angst machen gilt nicht. So werte ich etwa ein mögliches Scheitern des Wohnungsbauprojekts „Günthersburghöfe“ im Frankfurter Nordend als ein schlechtes Signal für die Bau- und Immobilienbranche, auch für die Bürgerinnen und Bürger in der Wetterau. Ich warne davor, das schon jetzt verzögerte Projekt durch neue politische Querelen zum Scheitern zu bringen: „Die Günthersburghöfe könnten eine der langsamsten Wohnungsbaustellen Hessens werden, wenn sie denn überhaupt umgesetzt werden. Der Frankfurter Planungsdezernent tut gut daran, die Umsetzung des Projekts voranzutreiben.Die verbreitete Skepsis in der Bevölkerung gegenüber größeren Wohnbauprojekten und bürokratische Hemmnisse, die zu Verzögerungen und unnötigen Kostensteigerungen führen, sind nicht gut. Wir müssen gerade für Projekte dieser Art die Regelwerke entschlacken. Wir haben die Chance, die Genehmigungsverfahren zu straffen. Wir haben auch die Möglichkeit durch Digitalisierung Zeit zu gewinnen, ohne den Bürger dabei zu vergessen. In Projekte dieser Art gehört der Bürger eingebunden. Große öffentliche Wohnbauprojekte, bei denen der Druck privater Aktionäre fehlt, benötigen dann erst recht eine professionelle Bauführung, weniger politische Feinsteuerung und mehr Know-how. Ein gutes Beispiel hierfür sei ein Blick nach Brandenburg auf die dort entstehende Teslafabrik.
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